Kälberfütterung

Teil 1:

 

Kolostrumversorgung

 

Hinreichend bekannt ist, dass eine mengen- und qualitätsmäßig ausreichende Gabe von Biestmilch wichtig für die Kälbergesundheit in den ersten Lebenswochen ist.

Kolostrum hat Auswirkung auf spätere Leistung

Weniger bekannt, aber nicht weniger bedeutend, ist die Tatsache, dass allein der Unterschied von 2 Liter Kolostrum zu 4 Liter Kolostrum sich später in der

        1. Laktation in mehr als 1000 kg und in der

        2. Laktation sogar in mehr als 1200 kg Mehrleistung auswirkt!

Kolostrum ist in den letzten Jahren schlechter geworden

Nach einer neueren Studie allerdings (Stemme etal., 2016) ist die Kolostrumversorgung  in den letzten 10 Jahren nicht besser, sondern deutlich schlechter geworden. Demnach ist der Anteil der Kälber mit unzureichender Biestmilchversorgung um 20% gestiegen und liegt nun bei knapp unter 60%, d.h., dass 60% der Kälber keinen optimalen Start ins Rinderleben haben. 

Die Kälbergesundheit ist sehr verbesserungsbedürftig 

Verschärfend für die Situation der Kälbergesundheit ist auch die Tatsache, dass in früheren Jahren beim Stallbau Kälberboxen in der Regel genau dort platziert wurden, wo „gerade noch Platz“ übrig war, nämlich im „letzten Eck“, wo entweder zu viel (Zugluft!) oder zu wenig Luftbewegung (Schadstoffe!) herrscht.

Zuviele Kälber sind im Laufe der ersten Lebenswochen zumindest einmal krank. (Durchfall, Pansentrinker, Lungen- oder Nabelentzündungen) Jede einzelne Erkrankung schlägt sich in schlechteren Tageszunahmen und damit in einer deutlich verminderten späteren Milchleistung nieder!

Kälber sind die Zukunft des Betriebes oder anders ausgedrückt: Das Kalb von Heute ist die Kuh von Morgen

Für eine optimale  Kolostrumversorgung sind aber „nur“ 3 Faktoren entscheidend:

 

1. Zeit:

So schnell wie möglich nach der Geburt, die optimale Aufnahme erfolgt innerhalb von 45 Minuten nach der Geburt. 

 2. Qualität:

Das Kolostrum der Mutter ist in seiner Qualität sehr unterschiedlich, daher sollte diese optimalerweise gemessen werden. Hierfür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: 

- Kolostrumspindel (speziell. Dichte > 1,045) - digitales Refraktometer (>23% Brix) - ColostroCheck nach Kritzinger  

3. Menge:

So viel wie möglich, am besten mind. 3 lt., dabei ist viel Ruhe und Geduld nötig. In einem Fütterungsversuch mit 63 Kälbern musste nur ein einziges Kalb gedrencht werden! Ist zu wenig oder nur mangelhafte Biestmilch (Qualitätscheck!) vorhanden, sollte in dieser Reihenfolge vorgegangen werden: 1. frisches, 2. gekühltes, 3. eingefrorenes Kolostrum zusätzlich verfüttern.

Eine zusätzliche Gabe von Biestmilch ist notwendig, wenn:

    -  die Mutter in der Trockenstehzeit krank war (nicht nur bei Mastitis!), 

     -  bei Frühgeburten,

     -  bei Zwillingsgeburten (hier ist die Qualität fast immer mäßig!),

     -  zugekaufte Tiere (bes. Kalbinnen) erst kurz im Stall stehen (zu wenig Zeit, um ausreichend  stallspezifische Antikörper zu bilden, Stress),

     -  das Muttertier einfach zu wenig Milch hat.

 

In den ersten Lebenstagen:

Nach dem Umstallen in eine gereinigte(!), desinfizierte (!) und gut(!) eingestreute Kälberbox erfolgt bereits in der nächsten Mahlzeit eine erhöhte Tränkegabe. (z.B. ad-libitum oder 10 lt. Transitmilch der Mutter, angesäuert).

Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Transitmilch (mindestens 5 Tage) der eigenen Mutter deutliche Vorteile durch die in  ihr enthaltenen bioaktiven Stoffe und ihre maternalen Immunzellen bringt. Besonders  werden Reifung und Entwicklung des Darmes, sowie das Immunsystems gefördert!